Neue Routinen für Doktorand*innen in Zeiten von Corona

* Gastbeitrag von Claudia Macho

 Viele Doktorand*innen – vielleicht auch Sie?! – wollen die aktuelle Situation nutzen, um fokussiert in ihren Dissertationsprojekten voranzukommen. Aber ein Ausnahmezustand wie dieser bringt auch in der Wissenschaft eigene Herausforderungen mit sich: es fehlt vielleicht an einem strukturierten Tagesablauf, an Rückzugsorten oder an inspirierenden Fachgesprächen. Schneller als gedacht schleichen sich so Unlust und Frustration in Ihr Forschungsprojekt ein.

Was kann Sie also darin unterstützen, auch jetzt mit Schwung voranzukommen?

1.) Stimmiger Rhythmus von Arbeits- und Pausenzeiten

Für Studierende, die alleine leben, ist die Versuchung groß, nun rund um die Uhr am Schreibtisch zu sitzen. Aber ähnlich einem Marathon lässt sich auch in einem Schreibprojekt ein gewisses Tempo nur eine Zeit lang aufrechterhalten. Bleiben Sie wachsam, wann Sie beginnen, sich auszubrennen! Teilen Sie sich Ihren Tag in klare Etappen ein und planen Sie regelmäßig – mindestens einmal alle 1 ½ Stunden – eine Ruhephase, in der Sie sich ein wenig bewegen und entspannen.

2.) Optimale Nutzung von Kapazitäten

„Puh,“ höre ich jetzt viele stöhnen, „ich wünschte, ich hätte diese Zeit! Mir raucht hier der Kopf zwischen Home-Office, Kinderbetreuung, Alltagsorganisation und Haushalt! An konzentriertes Arbeiten und Schreiben ist da kaum zu denken.“ Zu allererst: die Situation, in der wir uns aktuell befinden, ist singulär auf so vielen Ebenen. Und möglicherweise bedeutet das, dass Sie gerade einfach nicht mehr schaffen, als ohnehin schon. Als Mama mit Kleinkind im Homeoffice kann ich Ihnen sagen: Sie machen das großartig und können unglaublich stolz darauf sein, was Sie zur Zeit leisten!

Sollten Sie dennoch auch Ihrer Dissertation Zeit widmen wollen und können, gilt es, Ihre Kapazitäten so optimal wie möglich einzusetzen. Denn oft mangelt es nicht tatsächlich an verfügbarer Zeit, sondern an ihrer effizienten Nutzung. Überlegen und notieren Sie daher einmal alle Zeitfenster, die Sie während einer Woche für Ihr Dissertationsprojekt zur Verfügung haben. Wie sehen diese Zeitfenster aus? Wie lange sind sie jeweils? Sind sie dabei ungestört oder ist mit der einen oder anderen Unterbrechung zu rechnen? Wo können Sie sich in dieser Zeit aufhalten? Verschaffen Sie sich anschließend einen Überblick über die anstehenden Aufgaben in Ihrem Dissertationsprojekt, so kleinteilig und detailliert wie möglich. Welche Online-Recherchearbeiten sind demnächst zu erledigen? Welche Fachartikel zu lesen? Welche Kapitel zu überarbeiten? Notieren Sie auch diese Aufgaben in einer Liste und markieren, zB mit verschiedenen Farben, welche Rahmenbedingungen die jeweiligen Arbeiten verlangen. Welche Aufgaben können unproblematisch unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden? Welche Aufgaben erfordern absolute Ruhe und Konzentration? Für welche Aufgaben benötigen Sie einen Computer mit Internetzugang, für welche vielleicht nur Stift und Papier? Gleichen Sie nun die beiden erstellten Listen miteinander ab und verschaffen sich so einen Überblick, zu welchen Zeiten Ihrer Woche oder Ihres Tages Sie sich gezielt welchen Aufgaben widmen sollten, um das Maximum aus Ihrer Arbeitszeit herauszuholen. Vielleicht werden Sie in einer ungestörten halben Stunde keine bahnbrechenden Erkenntnisse verschriftlichen können, aber Sie können ein paar Minuten eines Interviews transkribieren? Toll, wieder etwas geschafft!

3.) Motivierender Austausch mit Gleichgesinnten

Abschottung hinter dem Schreibtisch ist der größte Feind von Produktivität. Denn Motivation und die besten Ideen kommen oft erst durch das Gespräch mit anderen. Suchen Sie sich daher einen oder zwei KollegInnen, die ebenfalls an einem Forschungsprojekt arbeiten, und tauschen Sie sich einmal wöchentlich telefonisch über Ihre Fortschritte aus. Wo kommen Sie gut, wo eher schleppend voran? Was ist Ihr größter Erfolg seit dem letzten Gespräch? Was sind die nächsten geplanten Schritte? Die regelmäßigen Gespräche werden Ihnen helfen, auch in der momentanen Situation im Austausch über Ihr Projekt zu bleiben und mit Schwung voranzukommen.

Prüfen Sie doch einmal, ob einer – oder mehrere – der obenstehenden Tipps Ihnen helfen können, die aktuellen Herausforderungen noch besser zu meistern. Viel Erfolg dabei – und bis bald zurück im DoktorandInnenzentrum!

Dr. Claudia Macho ist ausgebildete Schreib- und Mentaltrainerin. Als Wissenschaftscoach begleitet sie Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen durch herausfordernde Schreibprojekte und leitet Kurse zum wissenschaftlichen Schreiben an Hochschulen wie der Universität Wien, der Donau-Universität Krems und der FH Campus Wien.